Der Brocken im Harz, dem nördlichsten Mittelgebirge Deutschlands, ist mit 1141m der höchste Berg Norddeutschlands. Sein Gipfel liegt oberhalb der Baumgrenze. Das gesamte Gebiet des Oberharzes um den Brocken herum ist Nationalpark.
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Auf dem Gipfel des Brockens herrscht ein raues alpines Klima - vergleichbar etwa mit dem in Island. Oft weht ein kalter und nasser Wind mit Geschwindigkeiten von bis zu 260 km je Stunde. An durchschnittlich 306 Tagen liegt seine Spitze im Nebel.
Vielleicht ist es gerade dieses extreme Klima, das den Brocken zu einem so geheimnisumwobenen Ort macht. Seit dem späten Mittelalter ist der auch als Blocksberg bekannte Brocken der berühmteste „Hexentreffpunkt“ in Europa. Johann Wolfgang von Goethe, der selbst dreimal den Brocken bestieg, beschreibt die sogenannte Walpurgisnacht[1] in seinem Faust-Drama.
Schon seit Jahrhunderten zieht der Brocken die Besucher in seinen Bann. Heinrich Heine bestieg als Student den Brocken. Seine Eindrücke darüber schildert er in der „Harzreise“, die mit folgenden Versen beginnt:
Auf die Berge will ich steigen,
Wo die frommen Hütten stehen,
Wo
die Brust sich frei erschließet[2],
Und die freien Lüfte wehen.
Auf die Berge
will ich steigen,
Wo die dunkeln Tannen ragen,
Bäche rauschen, Vögel singen,
Und die
stolzen Wolken jagen.
Auf dem Brocken, den er an einem nebeligen Tag bestieg, schrieb er in das Gipfelbuch:
''Große Steine, müde Beine, Aussicht keine, Heinrich Heine.“
Auch wenn die Aussicht nicht immer gut ist, so hatte die Lage des Brockens doch andere Vorteile. 1936 wurde der erste Fernsehturm der Welt auf dem Berg erbaut. Und nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Brocken auch umfangreich für Überwachungs- und Spionagezwecke genutzt. Auf dem Gipfel befanden sich zwei große und leistungsfähige Abhöranlagen, die weit in das westdeutsche Gebiet hineinhorchen[3] konnten. Eine davon gehörte dem sowjetischen Militärgeheimdienst. Da der Brocken im unmittelbaren Grenzgebiet zwischen der DDR und der BRD lag, war er ab 1961 militärisches Sperrgebiet. Seit dem 3. Dezember 1989 ist der Brockengipfel wieder frei zugänglich. 1994 verließen die letzten sowjetischen Soldaten den Brocken. Die militärischen Anlagen wurden inzwischen komplett abgerissen und das Gebiet renaturiert[4].
Heute ist der Brocken mit etwa zwei Millionen Besuchern im Jahr das beliebteste Ausflugsziel im Harz. Viele Besucher sparen sich die Mühe des Aufstiegs und fahren stattdessen mit der schon 1899 eröffneten Brockenbahn. Von Wernigerode aus fährt sie mit Dampflokomotiven bis auf den Brockenbahnhof [5]. Er ist heute mit 1125 m der höchste Schmalspur-Bahnhof in Deutschland.
Auf dem Gipfel befinden sich das Brockenmuseum und der bereits 1890 angelegte Brockengarten[6] sowie Restaurants und ein Hotel. Mit etwas Glück (d. h. bei gutem Wetter) kann man vom höchsten Harz-Gipfel einen Blick weit ins Land hinein genießen.
Heller wird es schon im Osten
Durch der Sonne kleines Glimmen.
Weit und breit die
Bergesgipfel
In dem Nebelmeere schwimmen.
Hätt ich Siebenmeilenstiefel[7],
Lief ich, mit der Hast des Windes,
Über
jene Bergesgipfel
Nach dem Haus des lieben Kindes.
Von dem Bettchen, wo sie
schlummert,
Zög ich leise die Gardinen,
Leise küsst ich ihre Stirne,
Leise ihres Munds
Rubinen.
Und noch leiser wollt ich flüstern
In die kleinen Lilienohren[8]:
Denk im Traum, dass wir uns lieben,
Und, dass wir
uns nie verloren.
Aus der „Harzreise“ von Heinrich Heine
Der Artikel erschien in "Der Weg" 4/2006
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[1]
die Walpurgisnacht: die Nacht zum 1. Mai, in der sich (nach altem Volksglauben) die Hexen zum Tanz
treffen
[2] [wo man frei atmen kann] [3] horchen: (hier) heimlich bei etwas zuhören ? lauschen [4] renaturieren: wieder in einen naturnahen Zustand zurückführen [5] Die Spurweite beträgt 1000 mm [6] Er beherbergt etwa 1400 Pflanzenarten. Im Gegensatz zum gepflegten Brockengarten ist der Wald um den Brockengipfel herum verwildert. Auf einer Fläche von etwa 1000 Hektar befindet sich hier einer der letzten Urwälder Mitteleuropas. [7] mit Siebenmeilenstiefeln: mit großen Schritten (und deshalb sehr schnell) gehen [8] das Lilienohr: (lit.) blendend weißes Ohr |